Mein Weg aus der PPD

Es trifft auch Männer

Bild von S6ltuvus (Devianart, Danke)

Wie toll, wie spitze. Schon im 1. Zyklus klappte es mit unserem absoluten Wunschkind. Im Vorfeld nahm ich etwa 105 KG ab nach einer Magen OP.

Wir freuten uns beide total. Die ganze Schwangerschaft ein einziger Traum ohne nennenswerte Probleme. Sogar der Wunsch auf ein Mädchen wurde erfüllt.

Die Geburt verlief allerdings dann total daneben. Zuerst war es die Wunschklinik die nicht klappte.
Dann wurde es statt der spontanen Wassergeburt ein Kaiserschnitt in Vollnarkose nach 2 Tagen Einleitung und 10 Tage über Termin.

Heute aber weis ich, die Entbindung war für mich nicht der Auslöser.
Auch, wie in Filmen oft gezeigt die sofortige Ablehnung war nicht da.

Vielmehr war es Zuhause am 4. oder 5. Tag nach der Entbindung, das alles Rabenschwarz war.
Das stillen klappte auch nicht. Die dortige Hebamme war abgehetzt und scheinbar nicht einfühlsam genug - für mich - zu zeigen wie eine Brust nach so viel Abnahme ohne 3. Hand zum Baby geführt werden kann.

Das Ende vom Lied war die Abstilltablette. Kommen wir zurück ins eigene Zuhause. Ich wachte auf und es schüttete aus allen Eimern. Es war Mitte September. Alles stellte ich in Frage. War es wirklich schon der richtige Zeitpunkt? Schaffe ich das überhaupt? Der Wunsch nach Unabhängikeit war unbändig groß ebenso wie der obligatorische Wunsch nach meinem alten Leben.

So lag meine Tochter im Bettchen und ich sah sie an, wie sie friedlich schlief und ich in Tränen ausbrach.
In den Nächten war ich schnell gereizt & genervt.
Meine Hebamme, die mich besuchte, war die erste Person die das Wort "Postpartale Depression" in den Raum warf.

Es war wie durch Watte. Fühlte mich so unendlich weit weg und auf ihr Anraten einen Termin beim Psychologen zu machen, versetzte mich in noch mehr Panik.

Ich versuchte es eine Woche ohne diesem Termin, aber es wurde nur schlimmer.
Es fing an das ich meine Tochter ansah und plötzlich war da einfach nichts mehr. Als wäre sie Kilometerweit entfernt. Kein Teil von mir. Ich wollte das sie weg ist.
Also rief ich meine Mutter an und war somit die zweite Person, neben meinem Mann & Bruder (lebt mit bei uns) welche ich um meine Verfassung einweihte. Auch sagte ich unter heftigen Weinkrämpfen sie solle bitte meine Tochter bei ihr aufwachsen lassen, ich kann und pack das alles nicht mehr.

Sie nahm um mich zu entlasten, S. eine Nacht zu ihr. Das es mir besser ging dadurch war nicht der Fall, denn ich wusste "Oh nein, morgen ist S. wieder da".
Es nahm kein Ende, diese ständige Anspannung, das stetige Gedankenkarusell über die Zukunft, das du immer gebunden bist.
Was wenn ihr was passiert und mir alles egal ist?

Wieder stand Hebammenbesuch an, und diesmal nahm ich ihren Ratschlag zu Herzen. Gleich am nächsten Tag war der Termin. Aber dieser Neurologe wollte mir beim 2. mal (2 Wochen nach Entbindung) immer noch erzählen, es wäre ein Babyblues. Zu diesem Zeitpunkt war mir dank des Forums von Schatten&Licht e.V. bereits klar, ich bin Krank. Ich brauche Hilfe, also suchte ich weiter. Mittlerweile nahm es solche Ausmaße das ich jegliches Essen verweigerte, da ich partou nichts runterbrachte. Da waren es bereits 3 Wochen.

Mein nächster Termin beim Neurologen war super. Endlich ein Mensch der sofort wusste wie er mich "anpacken" muss und fing gleich an ein Zettel zu nehmen.
Punkt 1:
EINE DEPRESSION GEHT VORBEI !!!!

Den Zettel trage ich übrigens noch heute in meiner Handtasche. Mein bis dahin genommenes  Medikament Opipramol wurde durch Citalopram 20mg ersetzt, bzw folgte eine Übergangsweise Umschleichung.
Trotzdem war's natürlich erstmal irre hart.
Jeden Tag habe ich geweint, geweint und geweint. Meinem Mann jeden Tag, 6 lange Wochen immer und immer wieder die gleiche Suppe reingedrückt.
Er nahm mich einfach in den Arm und gab mir Hoffnung und Mut, das alles wird, ich eine tolle Mama bin und wir das alles schaffen.
Zeitgleich hatte ich eine Psychologin vom Caritativen Dienst, die mich 1x die Woche besuchte. Meine Mutter und auch Bruder & Mann waren mal bei einer Sitzung dabei, damit sie in etwa verstanden was eigentlich mit mir los war.
Ich erkannte mich nicht wieder. Ich die lebensfrohe, ich die immergut gelaunte und dann das fremde Wesen, Schatten meiner selbst. Augen dick und geschwollen, 27 Kilo verloren innerhalb 6 Wochen schwerer PPD.

Die beste Beschreibung würde lauten:
Da hockt mein eigentliches Leben, meine Seele in einer Seifenblase über mir selbst und versucht zurückzukommen, nur gelingt es nicht.

Wie oft sah ich meine Tochter an und fing an zu weinen und fragte "warum bringst du mich nur zum weinen, warum kann ich nicht glücklich sein?"
Es waren auch die Klassischen Morgentief's die ich hatte. Es war furchtbar raus zu gehen. Kaum draussen, wollte ich so schnell wie nur möglich nach Hause.

Mein Wunsch war es, einfach Aufzuwachen, eines Morgens, und es ist wieder alles wie früher.

Dieser Wunsch erfüllte sich nach 6 Wochen, 27 verlorenen Kilos, unendlichen Litern an Tränen, noch viel mehr Worten aber der Tatsache das meine Familie niemals müde wurde mir zuzuhören und mich zu bekräftigen. Ganz so wie ein Schalter war es nicht. Es kam so auf Raten. 2 Tage ohne Morgentief, dann 3 butal heftige Tage und dann plötzlich schien die Sonne - bis heute scheint sie.
Mein Glück kehrte wieder nach Hause zurück.
Ganz besonders werde ich niemals den Moment vergessen, an dem meine eigene Mutter Tränen in den Augen hatte, als ich eine Butterbreze nach 6 Wochen ohne Essen zu mir nehmen konnte.

Mitte Oktober 2013 war das. Derzeit haben wir fast Mitte April 2014 und es geht mir noch immer gut, ich bin stabil. Genieße das Mamasein und meine Tochter absolut. Erfreue mich an ihr und bin so froh das ich sie nicht hab woanders aufwachsen lassen. Es hätte vermutlich nur alles schlimmer gemacht.
Ich habe statt der mindestens 6 Monate AD - bereits nach 4 Monaten das ausschleichen auf 10mg ohne einbruch begonnen und bin seit 1.3.2014 ohne Medikation und absolut Stabil.

Besonderen Dank möchte ich an folgende Personen/Organisationen hierbei richten:

- Meiner Mama - ohne eine Mama geht einfach nichts, ich liebe dich.
- Meinem Mann - Danke für das Aushalten mit mir und das niemals der Spruch "Reiss dich mal zusammen" kam
- Meinen Geschwistern & Meinen Schwiegereltern - Auch ihr musstet viel Ertragen, aber verstandet mich
- Meinem Papa & Stiefmutter - den ich erst sehr spät aus Angst seiner Reaktion eingeweiht hatte. Er überraschte mich mit der Aussage: Da kannst du nichts dafür, sowas bekommt eine Frau, oder nicht. Dafür muss man sich nicht schämen. DANKE Daddy ich liebe dich, und meine Stiefmutter die mich immer rauszwang und oft Besuchte damit ich nicht ständig am grübeln war. Danke M.
- Meiner Hebamme/n - Ihr wart der Startschuss das ich nie geschwiegen & Verheimlicht habe
- Schatten & Licht e.V. - Ohne diesen Verein hätte ich niemals zu verstehen begonnen was es heisst damit zu leben, und was wir oft falsch denken. Wie wir es richtig machen können. All die Userinnen (und User?) die immer lieb und verständnissvoll ihre eigene Sichtweise geschildert haben. In Kürze werde ich ein Mitglied des Vereins sein, um diese sehr sehr wichtige Sache zu Unterstützen, finanziell ein wenig & auch am Telefon.


Kurz Abschliessend noch an euch ein paar Sätze die vollstens der Wahrheit entsprechen.

DU bist nicht Schuld!
DEIN Kind ist nicht Schuld!
Keiner ist Schuld!
Reden & sich sehr sehr schnell ein Netzwerk zuzulegen ist das wichtigste. Ich bin überzeugt davon, das meine Heilung daher so schnell passierte.
Ein Antidreppesivum macht NICHT Abhänging.
Es gibt keinen Grund zur SCHAM (Das ist oft der Grund warum es einen noch tiefer reisst, aus scham zu schweigen)!!
Eine Depression geht vorbei !!

 


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